Ihr CO2 Fußabdruck – mit kleinen Dingen großes Bewirken

Bei dem CO2 Fußabdruck (carbon footprint) handelt es sich um die Menge an CO2-Emissionen, die ein Mensch in einer bestimmten Zeit verursacht.

Dieser setzt sich zusammen aus der Summe unseres Handelns – also der Art wie wir uns (fort-) bewegen, ernähren, Strom nutzen oder welche Dinge wir wann, in welcher Menge und mit welcher Herkunft konsumieren. Jede unserer Entscheidung verursacht also mehr oder weniger CO2.
Kleine und große Veränderungen im alltäglichen Leben und Verhalten können somit aktiv zum Klimaschutz beitragen.

  • Welche Anstrengung kostet mich die Umsetzung der Aktion im täglichen Leben auf einer Skala von 1 (kaum) bis 5 (großer Aufwand)?

  • Welchen Einfluss hat die Aktion auf die Reduktion meines CO2 Austoßes von 1 (gering) bis 5 (große Auswirkung)?

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Dirk Vielmeyer

Projektmanager, Moderator, Vorsitzender des Klimaschutzbeirates der Landeshauptstadt Wiesbaden

Ich wünsche mir, dass die nachfolgenden Generationen dann über uns sagen, dass wir im letzten Moment noch die Kurve gekriegt und so ihr Überleben und ihre Zukunft gesichert haben. Es wäre ein überragendes Gefühl, nicht nur ein Teil des größten Problems in der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein, sondern auch ein aktiver Teil der Lösung.

Das Wiesbaden hier und heute:
Was erfreut Sie, was macht Sie optimistisch?

Es freut mich sehr, dass die Jugend, die Politik und die Medien dem Thema Klimaschutz jetzt den Stellenwert einräumen, den es für die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten tatsächlich hat. Schon Jahre und Jahrzehnte bevor die junge Schwedin Greta Thunberg vor dem Reichstag in Stockholm für das Klima streikte, haben Jugendliche und Erwachsene für engagierteren Klimaschutz gearbeitet und protestiert und Wissenschaftler*innen haben lange öffentlich vor den existenziellen Gefahren eines „Weiter so“ gewarnt. Jetzt endlich ist das Thema ganz oben auf der Agenda angekommen. Es macht mich optimistisch, dass so viele Jugendliche hier und weltweit bereit sind, trotz der Androhung von Sanktionen Druck auf die Entscheider*innen auszuüben. Sie werden nicht nur von zigtausenden von Wissenschaftler*innen unterstützt, sondern auch von Eltern und anderen engagierten Erwachsenen. Hier in Wiesbaden beginnen gerade auch Künstlerinnen und Künstler, sich noch stärker als bisher dem Thema anzunehmen und der Gesellschaft die Dringlichkeit in der Sprache der Kunst nahezubringen. Das alles macht Mut und verleiht dem Klimaschutz den Rückenwind, den er dringend braucht.

E-Mobilität oder öffentliche Verkehrsmittel, Öko-Strom oder Repair-Cafe:
Wie binden Sie Klimaschutz in Ihren privaten und beruflichen Alltag ein?

Ich lebe in einer energetisch gedämmten Wohnung, beziehe Ökostrom und nutze auf den täglichen Kurzstrecken das sowieso viel schnellere Fahrrad, wann immer es geht. Meiner privaten Klimabilanz hilft es aber auch sehr, dass ich kaum fliege und keine Kreuzfahrten unternehme, obwohl der Flughafen Frankfurt so nah ist und man die Billigflüge hinterhergeworfen bekommt. Erfreulicherweise erkennen immer mehr Menschen, dass man nicht erst tausende von Kilometern weit weg muss, um schöne und neue Dinge zu sehen, tolle Augenblicke zu erleben oder sich wirklich zu erholen. Meist liegt es doch an den offenen, besonderen Begegnungen mit anderen Menschen oder an unserer Wahrnehmungsfähigkeit, ob wir unsere Zeit genießen und schätzen können oder sie als alltägliche Monotonie empfinden. Das erlebt man nicht nur in weiter Ferne, sondern auch in der Region oder nach einer Zugfahrt im eigenen Land.

Diskussion mit Lust oder doch eher Frust:
Ist Klimaschutz Gesprächsthema mit Freunden, Kunden und/oder Partnern?

Als Gesprächsthema ist der Klimaschutz sowohl Lust als auch Frust, je nachdem mit welchen Menschen ich mich austausche. Manchmal ist es erschreckend, mit welcher Polemik, Aggressivität und Doppelzüngigkeit einige Menschen ihre Lebensweise eines grenzenlosen Konsums verteidigen und komplett selbstbezogen fortführen wollen. Da scheint der eigene Kontostand die einzige Grenze zu sein und weitsichtiges Handeln nur bis zum eigenen Tellerrand zu funktionieren, sogar wenn man selbst Kinder und Enkel hat. Unser jahrzehntelang allein über den materiellen „Wohlstand“ definiertes Bild des „erfolgreichen“ Menschen führt jetzt dazu, dass manche Menschen ihr ausgeufertes Konsumverhalten vehement und blind verteidigen. Selbst wenn offensichtlich wird, dass auch sie von den Auswirkungen bereits heute und in der Zukunft betroffen sind. Da braucht es noch eine große Portion Weitsicht, Veränderungsbereitschaft und Empathiefähigkeit.

Aber zum Glück habe ich viele bereichernde Gespräche mit Menschen, die aufnahmebereit auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaexpert*innen reagieren und die Chance darin erkennen, aus dieser Erkenntnis heraus noch rechtzeitig handeln zu können, bevor die existenziellen Folgen eingetreten sind und sich unaufhaltbar fortsetzen. Vorausschauend und konstruktiv zu diskutieren und zu handeln erlebe ich in solchen Gesprächen als ein sehr motivierendes und sinngebendes Element des Miteinanders und habe dabei viele tolle, engagierte Menschen kennengelernt, mit denen ich teilweise heute zusammenarbeite.

Auf Festen und Feiern vermeide ich möglichst das Thema Klimaschutz. Es ist zu ernst und polarisierend für einen Smalltalk und ein entspanntes, fröhliches Miteinander. Und bei aller Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit ist es wichtig, dass uns die Lebensfreude und Leichtigkeit nicht verloren geht, aus der man Kraft für ein weiteres Engagement schöpfen kann.

Früher und heute: Wie hat man Ihnen das Thema Umwelt und Klima als Kind beigebracht und wie geben oder würden Sie es der nächsten Generation weitergeben?

In den Siebzigerjahren war in meinem Umfeld der Klimaschutz kein präsentes Thema. Umweltschutz bezog sich eher auf Müllvermeidung und die Vermeidung von gesundheitsschädlichen Giftstoffen. Meine Mutter hat meiner Schwester und mir strikt beigebracht, dass die Verschmutzung der Umwelt keine Kleinigkeit ist und uns die Zusammenhänge erklärt, wenn wir mal gedankenlos mit Abfall oder chemischen Stoffen umgegangen sind. Und in der Schule gehörte der Umweltschutz im Sinne der Luftreinhaltung selbstverständlich auch schon zum Themenkatalog, wenn auch noch nicht der Klimaschutz.

Heute sind die Kinder durch ihr Umfeld und insbesondere durch die digitalen Medien in der Lage, sich alle Informationen zum Thema Klimaschutz in kürzester Zeit einfach zu beschaffen. Da kommt es eher darauf an, die Informationsflut zu filtern und Bedeutendes von Nebensächlichem zu trennen. Deshalb würde ich besonderen Wert daraus legen, die Bedeutung des Klimaschutzes für ihre Zukunft zu betonen und sie dabei unterstützen, manipulative Desinformationen als solche erkennen zu können. Und die beste Unterstützung für lernende Menschen ist es noch immer, klimaschützendes Verhalten vorzuleben und ihnen dabei die eigenen Motive zu erklären.

Das Wiesbaden von morgen:
Was macht Sie optimistisch, was könnte sich in 10, 20 oder 50 Jahren geändert haben?

Die Erkenntnisse der Klimawissenschaft verbreiten sich immer mehr. Bis zum Jahr 2030 müssen wir unsere Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 mehr als halbieren, um nicht gefährliche Kipppunkte im Klimasystem zu überschreiten. Wir erleben heute die Auswirkungen unserer Treibhausgasemissionen von vor 30 Jahren, dementsprechend werden wir die Folgen unseres heutigen Verhaltens im vollen Ausmaß in 30 Jahren spüren. Viele junge Menschen in Wiesbaden beteiligen sich aktuell daran, die Älteren endlich wachzurütteln und zum Handeln zu bewegen. Die Auswirkungen einer Klimakrise werden immer sichtbarer und nachvollziehbarer, auch in unserer Stadt. Diese Entwicklung macht mich optimistisch, dass wir in den kommenden 10 Jahren bis 2030 in Wiesbaden engagiert handeln, statt nur immer weiter zu diskutieren und zu versuchen, das Problem auszusitzen. Um das zu erreichen, gibt es nicht die eine wirkungsvolle Maßnahme, sondern es müssen alle möglichen Bereiche parallel angegangen werden. Was in unserer Stadt in den letzten Monaten im Bereich Mobilität angefangen wurde, gibt Zuversicht. Jede Maßnahme, die uns Alternativen zur fossilen, autodominierten Stadt anbietet, macht uns zukunftsfähig. Jetzt wird es endlich Zeit für den massiven Ausbau erneuerbaren Energien in unserer Stadt, damit weitere Projekte nicht von der teilweisen Versorgung mit klimaschädlichem Kohlestrom abhängen. Und Einsparungen von klimaschädlichen Verbräuchen müssen so angeboten werden, dass reduziertes Konsumverhalten als ein Gewinn an Lebensqualität verdeutlicht und erkannt wird. Wir werden uns von einer Stadtgesellschaft des Habens wieder mehr in Richtung einer Gemeinschaft des Sinns und des Seins entwickeln.

Bis 2040 werden wir dann in einer wirklich zukunftsfähigen Landeshauptstadt leben. Die beharrenden und rein konsumfixierten Kräfte haben sich fast vollkommen aufgelöst, die Energiewende, Verkehrswende, Wärmewende, Ernährungswende und Produktionswende ist weitgehend umgesetzt.

2070 bin ich vermutlich nur noch in Molekülform ein Teil dieses Planeten. Ich wünsche mir, dass die nachfolgenden Generationen dann über uns sagen, dass wir im letzten Moment noch die Kurve gekriegt und so ihr Überleben und ihre Zukunft gesichert haben. Es wäre ein überragendes Gefühl, nicht nur ein Teil des größten Problems in der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein, sondern auch ein aktiver Teil der Lösung.

Sie sind Vorsitzender des Klimaschutzbeirates. Was bringt Ihnen die größte Freude dabei?

Diese Funktion verschafft und erleichtert mir den Zugang zu Menschen und Organisationen, um im Sinne des Klimaschutzes wirksam zu sein. Es ist ein tolles Gefühl, gemeinsam mit Experten*innen, engagierten Klimaschützern*innen und bedeutenden Akteuren in Wiesbaden voranzugehen, um die wichtigsten Schaltstellen unserer Stadtgesellschaft zu erreichen. Ich habe den Eindruck, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein, um jetzt die Lethargie und das Bedenkenträgertum in der Landeshauptstadt stärker anzugehen und bis 2030 endlich zu einer Wiesbadener Klimabilanz kommen zu können, für die man sich nicht mehr in der ganzen Welt schämen muss. Gemeinsam mit anderen vorausschauenden Mitmacher*innen noch wirkungsvoller an einer guten Zukunft arbeiten zu können … wenn das keine Freude macht!

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